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Das Leben ist
wie ein buntes Kartenspiel.






DIESE GESCHICHTE HANDELT NICHT UM MICH! ICH HAB SIE GEFUNDEN AUF www.so-joyful.de

 

Es ist schwierig einen Anfang zu finden. Vieles, was ich erlebt habe, erscheint mir zu wichtig, um es auszulassen.

Bis zu meinem 14. Lebensjahr war für mich die Welt noch in Ordnung. Ich kannte weder Angst, noch habe ich mich mit dem Tod beschäftigt. Ein kleiner "Pickel" hat mein ganzes Leben verändert. Damals wusste ich nicht, dass dieser Pickel bereits eine Ansammlung von Krebszellen (Infiltrat) war. Ich habe ihn nicht weiter beachtet, da er sehr klein war. Dazu kam, dass ich sehr verliebt war. Verliebt in Mario, den ich in einer Pizzeria kennen gelernt hatte. Alles andere schien mir unwichtig. Mario wusste nichts von meinen Gefühlen und ich habe ihm bis heute nichts davon gesagt. Ich mag ihn immer noch...

Nach ein paar Tagen hatte der Pickel eine Größe von einem Fünfmarkstück und mein Handgelenk war auf das Doppelte angeschwollen. Als die Schmerzen unerträglich wurden, habe ich all meinen Mut zusammen genommen und bin zu meinem Hausarzt gegangen. Ich bekam etwas gegen die Schmerzen und eine Salbe gegen die Schwellung. Es wurde nicht besser. Die Schmerzen und die Schwellung wurden größer und so bin ich nochmals zum Arzt. Diesmal war es ein Abszess und ich sollte umgehend zu einem Chirurgen. Außerdem bekam ich Antibiotika. Noch am gleichen Nachmittag fuhr meine Mutter mit mir zu einem Chirurgen. Ich erklärte ihm die Symptome und beobachtete genauestens sein Vorgehen. Ich hörte leises Murmeln, das Klappern einer Schublade und sah ein Stück Papier auf meiner Hand. Dann verspürte ich einen höllischen Schmerz, der mir den Atem verschlug. Tränen liefen mir über das Gesicht und ich vergrub mein Gesicht in den Armen meiner Mutter. Ich heulte wie ein Kind. Der Arzt hatte mir ohne Vorwarnung, ohne Betäubung den Abszess mit zwei zehn Zentimeter langen und zwei Zentimeter tiefen Schnitten aufgeschnitten. Eigentümlicherweise kam kein Eiter heraus, wie bei einem Abszess erwartet, sondern bloß eine glibberige Masse, die Waldfrucht-Marmelade ähnlich war. Ich fühlte mich betrogen und hilflos. Wenn er mich doch wenigstens vorgewarnt hätte. Er hat meine Hand aufgeschnitten, einfach so, und nun klatschte er mir ein Pflaster drauf und sagte zu meiner Mutter, ich müsse täglich jene Salbe auftragen und jene Tabletten nehmen. Auf der Rückfahrt heulte ich noch immer. Ich war fürchterlich traurig und ziemlich fertig mit der Welt. In dieser Nacht schlief ich sehr, sehr schlecht und hatte Alpträume.

Als ich am Morgen aufwachte, wusste ich es irgendwie: mein Leben würde sich ändern. Es war ein Gefühl, das ich nicht beschreiben kann, nicht definierbar, so dass es schwer zu erklären ist. Es war fast so, als sei die ganze Zeit über eine Art Mauer zwischen meinem Körper und mir gewesen. Mein Körper hatte verzweifelt versucht, Signale zu senden, aber sie waren einfach nicht durch die Mauer gekommen. Nun aber war - wie bei einer Sintflut - alles überschwemmt worden. Ich behielt diese Gedanken für mich. Wer hätte denn auch zugehört?

Am folgenden Samstag ging es weiter. Ich ging zum Verbandwechsel zu meinem Hausarzt. Ebenso am Sonntag. Mir ging es sehr, sehr schlecht und am Sonntagabend bekam ich Fieber. Trotz des Antibiotikums. Meine Mutter rief beim Arzt an und er riet, ein Fieber senkendes Mittel zu nehmen. Das Fieber stieg weiter und meine Mutter rief so gegen 20:30 Uhr bei einem uns ganz fremden Arzt an. Er hörte geduldig zu, fragte und hörte noch einmal zu.

Wahrscheinlich verdanke ich diesem Arzt mein Leben. Zumindest verdanke ich ihm den Rat, mich doch ins Krankenhaus zu bringen. Wer weiß, wie lange das Spielchen sonst noch gegangen wäre? Noch in der gleichen Nacht brachten meine Mutter, meine Schwester und eine Freundin meiner Mutter mich ins Städtische Krankenhaus. "Das ist alles nur ein Traum", sagte ich mir immer wieder. "Morgen wachst Du auf und alles ist in Ordnung."

Ich kann mich an diese Nacht noch sehr gut erinnern. Es war der Anfang eines neuen Lebensabschnitts, der Anfang von Monaten stationärer Behandlung und das Ende des Lebens, wie ich es bis dahin gekannt hatte. Doch das wusste ich damals ja noch nicht. Wir mussten in der Notaufnahme eine ganze Weile warten. Obwohl ich sehr schwach war, erinnere ich mich an diese unbequemen Wartezimmerstühle. Sie hatten eine schreckliche Pastell-Pinkfarbe.

Endlich kam der Arzt - noch recht jung. Wir erzählten ihm nach und nach alles, was geschehen war. Er nahm Blut ab, legte einen Tropf an - eine Nadel, die in der Vene bleibt, damit man nicht ständig neu stechen muss - und nahm mir den Verband ab. Mein Herz fing an zu klopfen, und die ersten Tränen kämpften sich nach vorn. Niemand sollte mehr an meine Hand gehen, nicht ohne Betäubung. Mein Kopf besiegte aber meine Angst, und außerdem konnte ich es ja nicht wagen, einem Arzt zu widersprechen. Ich war doch abhängig von ihm.

Es dauerte nicht lange, bis der Arzt eine Pinzette herausgeholt hatte und anfing, an der offenen Wunde zu picken. Was er damit erreichen wollte, war mir unklar, denn es wurden keine Untersuchungen gemacht, er stocherte nur ein wenig umher. Das war zuviel für mich und die Tränen, die ich mit so viel Mut und Not versucht hatte zu besiegen, gewannen doch. Ich geriet in eine leichte Hysterie und sagte immer nur: "Bitte lasst meine Hand in Ruhe!" Als meine Mutter sich über mich beugte, um mich zu trösten, brüllte der Arzt sie an, sie mache mich nur nervös und solle mich in Ruhe lassen. Meine Mutter ließ sich aber nicht stören und sagte, er solle heute aufhören, an meiner Hand herumzustochern, denn das tue ja schließlich weh. Dem Arzt gefiel es nicht sonderlich, Anweisungen zu bekommen, und er wurde noch wütender. Er brachte mich auf die Kinderstation, wo ich allein in meinem Zimmer war - natürlich mit meiner Mutter, meiner Schwester und der mitgefahrenen Freundin.

Um kurz vor Mitternacht fuhren sie nach Hause und ich blieb allein zurück und beobachtete die Flasche, aus der langsam die durchsichtige Flüssigkeit durch einen Schlauch in meine Vene tropfte. Irgendwann schlief ich ein. Wenige Stunden später wachte ich wieder auf und war schockiert zu sehen, dass Blut im Schlauch war. Wo kam das nur her? Die Flasche war leer, doch da war Blut im Schlauch und das machte mir Angst. Ich stand auf und ging auf den Flur, doch niemand war zu sehen. Darf ich die Schwestern überhaupt stören? Vielleicht lachen sie mich aus, wenn ich mitten in der Nacht so etwas Dummes frage. Also ging ich, wenn auch beunruhigt, zurück ins Bett.

Am Morgen wachte ich früh auf. Die Flasche war gewechselt, und es tropfte wieder eine klare Flüssigkeit in meine Vene. Die Schwester kam und brachte mir Waschzeug. Und so versuchte ich, mich zu waschen. Das stellte sich aber als problematisch heraus. Es ist ja sowieso nicht gerade einfach, sich am Waschbecken mit einem Waschlappen zu waschen, aber noch problematischer ist es, sich mit einer Hand zu waschen.

Ich traute mich nicht, meinen Arm mit der Nadel überhaupt zu bewegen und kam mir ziemlich blöde vor. Dazu dieser Ständer mit der Flasche dran! Zuerst klemmten die Rollen wie bei einem defekten Einkaufswagen. Sie rollten in alle Richtungen, nur nicht dorthin, wo ich hin wollte. Insgesamt war das eine ziemlich komische Situation, ich musste über mich selbst schmunzeln. Ich kam mir vor wie bei "Verstehen Sie Spaß?" Aber dann kam was noch viel Besseres: Wie wechsele ich mein Hemd? Ich hatte ja einen Schlauch vom Arm bis zur Flasche. Wie kriege ich meinen Ärmel ab? Gar nicht.

Ich legte mich wieder ins Bett, und bald darauf kamen meine Mutter und meine Schwester - Gott sei Dank! Für mich gab es die ganzen acht Monate keinen schöneren Anblick, als wenn meine Mutter das Zimmer betrat - meine Schwester durfte später nicht mehr zu mir. Sie versuchten mich zu trösten, waren aber selbst ziemlich untröstlich.

Am frühen Vormittag kam die Visite: ein Professor, der Stationsarzt, Assistenzärzte und zwei Schwestern. Sie waren sehr freundlich, doch bemerkte ich die stummen Blicke, die sie einander immer wieder zuwarfen. Wenigstens wollten sie nichts an meiner Hand machen, das hat mich schon getröstet. Ich wurde geröntgt, getestet, gewogen und dann machten sie eine Ultraschalluntersuchung von meinem Bauch. Interessant war es ja, vor allem der Ultraschall. Ich hörte nur halb zu, wie lateinische Begriffe um mich her schwirrten. Nur wenige Worte konnte ich verstehen. Niemand hielt es für nötig, mir zu erklären, wozu die Untersuchungen waren und vor allem wonach sie suchten. Ich hatte aber viel zu viel Angst, um nachzufragen.

In der Zwischenzeit hatte meine Mutter mit dem Stationsarzt gesprochen, und als ich sie wiedersah, waren ihre Augen rot und verweint. Ich fragte sie, was los ist, was mit mir ist, aber sie sagte nur, dass man es noch nicht wüsste und dass ich in die Uniklinik müsse. Dort sollten weitere Untersuchungen gemacht werden. Wir fingen beide an zu weinen. Das erste, was mir einfiel, war die Frage: "Werde ich sterben?"

Diese Frage... Warum stellte ich diese Frage? Ich wollte die Antwort doch gar nicht hören. Ich wollte wieder nach Hause, zurück zu meinen Freunden und zurück zu allem, was ich kannte. "Vielleicht", antwortete meine Mutter. Mensch, Mama, du bist doof! Wie kannst du so was sagen? Ich kann doch nicht sterben. Warum kannst du mich nicht in den Arm nehmen und sagen, es wird alles wieder gut?

Das wäre gelogen gewesen - und ich wusste es. Ich hatte eine ehrliche Frage gestellt und wollte eine ehrliche Antwo